Zu Besuch bei ägyptischen Freunden

Über viele Wege ist das Koptenkloster im Schelpedorf Brenkhausen zu erreichen. Doch dieses Mal schnürte die Gruppe, die aus fast drei Dutzend Teilnehmern bestand nicht ihre Wanderstiefel und kamen nicht über einsame Pfade wie den Historischen Klosterweg bzw. den ökumenischen Pilger-Weg der Stille, vielleicht weil der lang ersehnte Ersatz für die alte Schutzhütte im Heiligengeisterholz noch immer auf sich warten lässt und fuhren auch deswegen bequem im Auto vor, um länger bleiben zu können.

Zu Besuch bei ägyptischen Freunden

Da im Herbst letzten Jahres während einer Pilgerwanderung die Zeit für eine ausgiebige Führung fehlte, wurde dies jetzt nachgeholt.

Gemeinsam mit dem Bischof Anba Damian und dem Kirchenführer, Holzbildhauer und Diakon Gunter Schmidt-Riedig wurde das Koptenkloster Brenkhausen nicht nur besichtigt, sondern es wurde auch gemeinsam in der Kapelle gebetet und gesungen.

Zu Besuch bei ägyptischen Freunden – Bild 01 – ie Enthüllung eines Gemäldes mit der Darstellung der hl. Familie – ©Josef Schäfer

Die vielen von dem Holzbildhauer selbst geschnitzten Skulpturen ließen erahnen, mit wieviel Herzblut und handwerklichem Geschick er auch seinem persönlichen Glauben Gesichter verliehen hat. Der Rundgang führte dann durch die angrenzende katholische Kirche, die Ägyptenräume mit dem Thema Lehmziegelbau, an Kirchenminiaturen vorbei zu den ausgestellten Bibeln bis zu dem Taufraum mit den zwei Becken für Kleinkinder und Erwachsene. Zwischendurch fand das Kaffeetrinken im Speisesaal statt bevor es mit dem Bischof in die Klosterkapelle ging. Nach der Einführung in die Geschichte der Koptisch-Orthodoxen Kirche wurden sie im Kirchenraum Zeuge einer Schenkung eines koptischen Mitbruders an den Bischof Damian. Ein großes Gemälde, das die heilige Familie, die in Ägypten Zuflucht gesucht hatte darstellt, wurde enthüllt. Das wunderschöne Bild bekam zusammen mit ihnen zum Abschluss den Segen. Was der Gruppe schon bei ihrem ersten Besuch im Kloster auffiel war die Herzlichkeit, mit der sie empfangen wurden. So etwas ist hierzulande selten mitzuerleben, das Gefühl von Geborgenheit von Anfang an wie in einer großen Familie zu spüren. Als sich der Bischof in der kleinen Feier über die kräftigen Liedstimmen wunderte, war es nicht zu überhören, das sich darunter auch einige Sangesbrüder und Schwestern aus dem Raum Marienmünster und Gehrden befanden.

Zu Besuch bei ägyptischen Freunden – Bild 02 – Die Organisatoren beim Small Talk. Vl. Ingrid Vanin, Bischof Anba Damian und Josef Schäfer – ©Josef Schäfer

In den Staaten, in denen Kopten leben, kommt es in den letzten Jahren zu einer zunehmenden religiösen Diskriminierung und Verfolgung durch die islamischen Regime. Darunter ist vor allem Ägypten, wo ägyptische Christen, meist orientalisch-orthodox, nur noch 10 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen. Damit bildet sie die größte religiöse Minderheit in dem Land. Aber auch etwa in Libyen werden koptische Christen diskriminiert. Während die Kopten in ihrer gesamten Geschichte hindurch verschiedene Grade an Verfolgung erlebt hatten, verurteilen heute Menschenrechtsorganisationen die „wachsende religiöse Intoleranz“ und sektiererische Gewalt gegen koptische Christen in den letzten Jahren sowie ein Versagen der ägyptischen und libyschen Regierung, sachgemäß zu ermitteln und die Verantwortlichen strafrechtlich zu belangen.

In einem ganz anderen Zusammenhang bringt sich noch jemand anderes ins Spiel. Ein in Deutschland geborener Musiker, Songwriter und Produzent mit ägyptischen Wurzeln, Adel Tawil. Von dem Lied „Ist da jemand“ das im Jahre 2017 entstanden ist, spielt die Melodie in einem hiesigen Pilgerfilm eine nicht unerhebliche Rolle. Der Kurzfilm mit dem Titel: „You’ll Never Walk Alone – einfach Sein“, ist auf YouTube unter „Pilger-Weg der Stille“ zu sehen. Übrigens auch mit Aufnahmen aus Brenkhausen.

Diese Zusammenarbeit im Geiste könnte nicht die letzte gewesen sein, denn das gegenseitige Interesse am Anderen, am Fremden macht doch erst ein vernünftiges Zusammenleben möglich. Toleranz, Akzeptanz und gegenseitige Wertschätzung lassen Vorurteile verschwinden. Und hier im Kloster hat die Daseinsfreude ihre Heimat gefunden. Das ist überall zu spüren.

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